Angewandte Mathematik und Informatik
Elena ist 20 Jahre alt und im 3. Ausbildungsjahr bei Traveltainment. Sie hat sich für eine Ausbildung zur mathematisch-technischen Softwareentwicklerin (MATSE) mit dem dualen Studiengang „Angewandte Mathematik und Informatik“ entschieden. Eine Kombination aus beruflicher Ausbildung und Studium, die sie nach 3 Jahren mit dem Bachelor of Science abschließen wird.
Leider ist eine Frau in diesem Berufsbild selten anzutreffen und noch immer herrscht in vielen Köpfen das Klischee des typischen, männlichen Entwickler-Nerds. Ist das wirklich noch so oder findet längst ein Umdenken statt? Warum hat sich Elena für diesen Weg entschieden und welche Erfahrungen hat sie im Laufe der Jahre gesammelt?

Der Start bei Traveltainment
Elena, wie bist du auf Traveltainment aufmerksam geworden?
Ich habe Traveltainment im Jahr 2015 auf einer Ausbildungsmesse im Eurogress in Aachen kennengelernt. Ich war damals in der 11. Klasse und mit meinen Freundinnen dort. Wir haben uns bei den verschiedenen Unternehmen umgeschaut und dann habe ich das große Banner von Traveltainment gesehen. Ich wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass ich etwas in Richtung IT machen wollte. Ich hatte Mathe-Leistungskurs und Informatik hat mich sehr interessiert. Am Messestand habe ich dann den Uli [Anmerkung: Ausbildungsleiter bei Traveltainment] zum ersten Mal kennengelernt.
Wann wusstest du, dass du ein duales Studium machen möchtest?
Am Messestand unterhielten wir uns über die Ausbildungsmöglichkeiten bei Traveltainment und die Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung hat mich sehr interessiert. Dann wurde mir aber schnell klar, dass ich ein duales Studium machen möchte. Neben der praktischen Ausbildung noch einen Studien-Abschluss zu erlangen, fand ich super. Aber zuerst habe ich mich für ein zweiwöchiges Praktikum bei Traveltainment beworben. Das ging relativ schnell und so konnte ich mir einen ersten Eindruck vom Unternehmen und den Kollegen dort verschaffen.
Und wie war dein erster Eindruck von Traveltainment?
Ich war überrascht wie jung die Leute sind. Die Atmosphäre war locker und entspannt und weil die Kollegen so nett und offen waren, ist es mir auch leicht gefallen viele Fragen zu stellen. Es gefällt mir, dass die Leute alle per DU sind. Das macht den Umgang miteinander viel einfacher. Außerdem mag ich die Lounge. Je länger ich bei Traveltainment war, desto mehr habe ich mich an einem Ort gefühlt, an dem ich gerne bin. Es ist einfach eine coole Umgebung.
Wie ging es nach dem Praktikum für dich weiter?
Schon während des Praktikums war für mich klar, dass ich gerne bei Traveltainment arbeiten möchte. Bevor ich aber mit dem dualen Studium starten konnte, musste ich noch einen Eignungstest an der RWTH Aachen absolvieren. Das ist Standard bei meinem Studiengang, um zu ermitteln ob die Kenntnisse für das Studium ausreichen. Ich habe mit 95% bestanden (lacht). Danach habe ich noch eine formelle Bewerbung bei Traveltainment eingereicht. Das Bewerbungsverfahren ging dann aber relativ schnell und ich konnte schon kurze Zeit später meinen Vertrag unterschreiben.


Die Ausbildung
Wie sieht ein Tag bei Traveltainment für dich aus?
Ich fange meistens so gegen 8:00 Uhr an und checke meine Termine für den Tag. Dann lese ich meine E-Mails um zu erfahren ob es etwas Neues gibt. In der Regel habe ich immer ein kleines Projekt, an dem ich alleine arbeite. Dann überlege ich mir beispielsweise, wie ich meine Variablen benenne oder wo ich meine Daten herbekomme. Oft schaue ich auch in den Code meiner Kollegen und versuche zu verstehen, was das Programm machen soll oder überlege ob man etwas optimieren kann. Das ist ein ständiger Lernprozess und das finde ich schön, weil ich jeden Tag sagen kann, dass ich etwas Neues gelernt habe.
Programmierst du also eher allein?
Nein, ich habe jetzt ein Jahr lang in einem Scrum-Team gearbeitet wo ich morgens auf das Brett geschaut und überlegt habe, was ich tun kann und wie ich das Team mit meinen Fähigkeiten unterstützen kann. Da gibt es Aufgaben, wo man auch mal zu zweit oder zu dritt vor dem Bildschirm sitzt und diskutiert und dann gemeinsam Entscheidungen trifft. Ich sitze also nicht nur mit Kopfhörern abgekapselt und tippe vor mich hin.
Was ist besonders an der Arbeit in einem Scrum-Team?
Wir hatten jeden Tag ein Daily wo wir uns synchronisiert haben. So wusste man immer wo die anderen Kollegen gerade stehen und ob es irgendwo Schwierigkeiten gibt, bei denen man eventuell unterstützen kann. Wir haben immer in zwei-Wochen-Abschnitten, so genannten Sprints, gearbeitet. Nach jedem Sprint schließt man ab und unterhält sich wie es gelaufen ist. Ob es Probleme gab oder ob irgendwas besonders gut funktioniert hat. Danach plant man gemeinsam den nächsten Sprint. Anfangs fand ich es total schwierig einzuschätzen, wie lange ich für meine Arbeit brauche. Aber mit der Zeit bekommt man ein richtig gutes Gefühl dafür und entwickelt sich selbst auch weiter. Es findet sehr viel Austausch untereinander statt und manchmal habe ich das Gefühl ich rede mehr als dass ich programmiere (lacht), aber ich finde das gut und die Ergebnisse sind auch besser. Die stellen wir dann auch den anderen agilen Teams vor und so wird ein großes Ganzes daraus.
Was war das bisher schönste Erlebnis in deiner Ausbildung?
Es gibt für mich viele schöne Erlebnisse, die sich dann zu einem großen Gefühl zusammensetzen. Wenn ein Code funktioniert und ich weiß, dass ich mit meinem Programm jemandem helfen kann, macht mich das glücklich. Man kann sagen, es treibt mich an, andere durch meine Arbeit zufriedener zu machen.
Du hast bei deiner Arbeit also auch immer den Kunden im Hinterkopf?
Ja, auf jeden Fall. Es gibt ja immer einen Auftraggeber, egal ob von intern oder extern. Und so habe ich immer das Gefühl etwas für jemanden zu tun. Jemand, den ich auch fragen könnte, ob das Ergebnis so ist wie er sich das vorgestellt hat, ob es ihm hilft.
Wie gefällt dir denn die Arbeitsatmosphäre bei Traveltainment?
Der Umgang der Kollegen miteinander ist sehr fair. Ich bekomme genügend Zeit für meine Aufgaben und werde nicht unter Druck gesetzt oder gestresst. Es wird auch Rücksicht darauf genommen, dass ich noch lerne (lacht). Ich habe kürzlich das Team gewechselt und meine direkten Kollegen sitzen nun alle bei Amadeus in Bad Homburg.
Und wie kommst du mit dem virtuellen Team zurecht?
Es ist natürlich schon etwas anderes so zu arbeiten, denn die Kommunikation findet meist via WebEx [Anmerkung: Online-Meeting/Videokonferenz] statt. Aber es funktioniert, weil man sich vorher mindestens einmal persönlich trifft. Danach sieht man die Kollegen dann über die Webcam und man kann auch problemlos den Bildschirm teilen um etwas Konkretes zu besprechen oder abzugleichen. Und für kleine Fragen zwischendurch kann man den Chat nutzen. Die technischen Möglichkeiten sind schon cool, denn man kann von überall mit seinen Kollegen zusammenarbeiten. Das bringt viel Flexibilität mit sich. Für mich bringt es aber auch den Anspruch mit, meine Kollegen nicht wegen jedem kleinen Problem anzurufen, sondern erstmal selbst eine Lösung zu suchen.


Das Studium
Wie muss ich mir das mit dem dualen Studium vorstellen? Erzähl doch mal ein bisschen von der Hochschule.
Ich bin an der Fachhochschule in Jülich eingeschrieben, habe meine Vorlesungen aber an der RWTH in Aachen. So ein Tag an der RWTH beginnt immer um 8:15 Uhr. Dann habe ich eine oder zwei Vorlesungen, je nachdem wie lange sie dauern. So zwischen 11:30 Uhr und 12:30 Uhr ist Mittagspause. Nach dem Mittag folgt dann ein praktischer Teil mit verschiedenen Übungsaufgaben. Ich bin immer an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in der Woche an der RWTH. Die anderen drei Tage bin ich im Büro.
Musst du auch Hausaufgaben machen?
Ja, wenn man am Nachmittag nach Hause kommt, muss man in der Regel noch Hausaufgaben machen. Für die Lösung haben wir aber eine Woche Zeit. Mathelösungen schreibt man meist direkt auf dem Tablet und lädt dann eine Datei auf die entsprechende Plattform hoch. Von den älteren Semestern werden die Hausaufgaben dann korrigiert und bewertet. Da ich mittlerweile im 5. Semester bin, darf ich auch die Hausaufgaben der jüngeren Semester korrigieren.
Was gefällt dir an der Hochschule denn am meisten?
Am besten gefallen mir die Übungen, da man in den Vorlesungen immer sehr viel neuen Stoff vermittelt bekommt. Den muss man sich dann doch nochmal genauer anschauen und hat so auch die Gelegenheit nachzufragen. Ab dem 5. Semester hat man übrigens nicht mehr so viele Pflichtmodule und kann die Themen individueller wählen.
Und was gefällt dir weniger gut?
Die Vorlesungen, weil die so etwas von Frontalunterricht haben. Ich bin manchmal etwas ungeduldig und würde die neu erworbenen Kenntnisse am liebsten direkt in der Praxis testen. Im Büro kann ich sie gleich in ein Projekt einfließen lassen, das ist viel anschaulicher. Einen Tag bei der Arbeit finde ich daher spannender.


Der Auslandsaufenthalt
Wie kam es zu dem Auslandsaufenthalt und wie wurdest du ausgewählt?
Nach dem ersten Semester kam der Uli auf mich zu und fragte, ob ich Lust hätte, zusammen mit einem Kollegen der auch das duale Studium bei Traveltainment absolviert, ein bisschen Auslandserfahrungen in Bury, das liegt in der Nähe von Manchester, zu sammeln. Ich war natürlich sofort begeistert.
Und wie wurde das Ganze organisiert?
Amadeus hat einen Standort in Manchester und die Kollegen dort waren mit der Idee einverstanden, dass wir sie für ein paar Wochen unterstützen. Als feststand dass wir fahren, haben wir uns mit Erasmus+, einem EU-Programm für berufliche Bildung, in Kontakt gesetzt. Dort habe ich einen Fragebogen ausfüllen und einen Englischtest machen müssen, um herauszufinden ob meine Sprachkenntnisse für einen mehrwöchigen Aufenthalt in England ausreichend sind. Von Erasmus+ wurde uns dann auch eine Betreuerin zur Seite gestellt. Mit ihr haben wir einige Gespräche im Vorfeld geführt und sie hat sich auch während des Aufenthalts immer wieder erkundigt ob alles in Ordnung ist.
Musstest du den Aufenthalt selber finanzieren?
Traveltainment hat den Flug und die Unterkunft für den 5-wöchigen Aufenthalt bezahlt. Von Erasmus+ haben wir Geld für unseren Lebensunterhalt bekommen. Das Leben ist in England ja doch etwas teurer als in Deutschland.
Dann konnte es endlich losgehen. Was waren deine ersten Eindrücke?
Da wir an einem Samstag gelandet sind, konnten wir erstmal in Ruhe unsere Zimmer beziehen, etwas einkaufen gehen und haben dann natürlich die Möglichkeit genutzt, die Stadt zu erkunden. An unserem ersten Arbeitstag wurden wir von einem Kollegen abgeholt, danach sind wir jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren. Am Anfang war ich etwas zurückhaltend, weil es schon ungewohnt ist die ganze Zeit in einer fremden Sprache zu sprechen. Aber es bleibt einem nichts anderes übrig und man gewöhnt sich sehr schnell daran.
Und wie war der erste Arbeitstag?
Der Start verlief sehr lustig, denn der Kollege, der uns abholen wollte, hatte uns vorher gesagt, dass wir ihn an einem orangefarbenen Pullover erkennen würden. Leider kamen 3 Männer mit einem orangenen Pulli vorbei und nie war es James. Aber wir haben uns dann doch noch getroffen und konnten gemeinsam zu Amadeus fahren. Dort haben wir zuerst mal die Büros und die anderen Kollegen kennengelernt. Der Empfang war sehr herzlich, fast schon familiär und so habe ich mich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt. Da ein Kollege Geburtstag hatte, waren wir in der Mittagspause sogar in einem Pub.
Konntet ihr sofort mitarbeiten oder habt ihr euch erst einarbeiten müssen?
Die Kollegen hatten uns im Vorfeld schon ein paar Sachen zum Einarbeiten geschickt. Das haben wir uns noch zu Hause angesehen und so wussten wir auch an welchen Projekten gerade gearbeitet wird. Im Laufe der Zeit wurde unsere Arbeit immer wertvoller für die Kollegen dort und wir konnten mehr zum Projekt beitragen. Die Entwicklungen haben wir dann alle gemeinsam getestet und so fühlten wir uns komplett in das Team integriert und auch wertgeschätzt. Wir waren nicht nur „die Azubis“ sondern konnten wirklich aktiv zum Erfolg beitragen.
Habt ihr neben der Arbeit auch neue Leute kennengelernt?
Ja, wir haben in einem Studentenwohnheim gewohnt. Dort gab es Wohneinheiten bestehend aus vier Apartments mit eigenem Bad und einer großen Gemeinschaftsküche. Es hat nicht lange gedauert, da haben wir Studentinnen aus China kennengelernt. Sie haben uns in ihre Wohneinheit eingeladen und für uns gekocht. Dabei habe ich Sachen gegessen die ich vorher noch nie gesehen hatte und sie haben ganz viel aus ihrer Heimat erzählt. Wir wurden schnell Freunde und haben dann oft gemeinsam etwas unternommen, z.B. Fish & Chips essen. Vor unserem Wohnheim gab es auch einen kleinen Park in dem man sich aufhalten konnte.
Es gab also auch ein spannendes Leben neben der Arbeit?
Ja, auf jeden Fall. Mein Freund hat mich in den 5 Wochen auch mal besucht. Tagsüber hat er sich die Stadt angesehen oder selbst für sein Studium gelernt. Abends und am Wochenende haben wir dann gemeinsam etwas unternommen. Wir waren auch einen Tag mit dem Zug in York und Liverpool. Es gibt übrigens tolle Museen in England und oft ist der Eintritt sogar frei.
Gab es etwas, das dir besonders gut gefallen hat?
Am besten hat mir die Arbeit im Büro mit den anderen Entwicklern gefallen. Die Stimmung war immer locker aber trotzdem sehr professionell. Es war wie eine große Familie und ich habe eine Menge gelernt. Nach unserer Rückkehr waren wir auch noch weiterhin in das Team integriert und haben dann per WebEx an den Meetings teilgenommen und uns ausgetauscht. Auch privat war es für mich eine neue Erfahrung, weil ich mal ganz allein für mich verantwortlich war. Einkaufen, Essen kochen, Wäschewaschen und sich selbst zu organisieren hat echt Spaß gemacht.
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